Seitenbereiche:
Community Integration Sonderpädagogik

Integration

Maßnahmen zur Ermöglichung integrativer Betreuung

Unter dem Leitgedanken der sozialen Integration wurde 1993 der gemeinsame Unterricht behinderter und nicht behinderter Kinder in der Volksschule gesetzlich verankert und durch eine weitere Gesetzesnovelle 1996 auch für die Hauptschule und die Unterstufe der allgemein bildenden höheren Schule beschlossen. Neben der Öffnung der "Regelschulen" als notwendige organisatorische Maßnahme ist soziale Integration jedoch vorrangig als dynamischer interaktiver Prozess zu verstehen, in welchem tägliches gemeinsames Leben und Lernen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderung erfahren, emotionale Barrieren abgebaut und Beziehungen angebahnt und in weiterer Folge vertieft werden.

Mit diesen beiden Gesetzesänderungen wurde ein bedeutender Paradigmenwechsel vollzogen: Die Sonderschulbedürftigkeit, die in zunehmendem Maße von den Eltern als stigmatisierend erlebt wurde, wurde von der Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs (SchPflG § 8, Rundschreiben Nr. 15/1996) abgelöst.

Aus rechtlicher Sicht handelt es sich bei der Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs vorerst um die allgemeine Feststellung, dass für eine Schülerin bzw. einen Schüler sonderpädagogische Unterstützung erforderlich ist. Erst in einem weiteren Schritt werden die für das Kind individuell notwendigen Fördermaßnahmen festgelegt wie etwa die gänzliche oder teilweise Anwendung eines anderen Lehrplans bzw. spezielle auf die Behinderungsart abgestellte Fördermaßnahmen (z.B. der Einsatz spezifischer Lehrmittel, bauliche Adaptierungen oder Einsatz von zusätzlichem entsprechend qualifiziertem Lehrpersonal). Durch diesen Paradigmenwechsel wurde einem schülerzentrierten Modell der Vorrang gegeben, in welchem ausgehend von den individuellen Fähigkeiten und Voraussetzungen der Kinder und Jugendlichen die Bereitstellung aller erforderlichen pädagogischen Angebote abgeleitet wird.

Gemäß der bestehenden Gesetzeslage haben Eltern das Recht (SchPflG § 8a), sich unabhängig von Art und Ausmaß der Behinderung ihres Kindes für integrativen Unterricht in der Volksschule bzw. in der Sekundarstufe I zu entscheiden.

Ambulante/mobile integrative Betreuung

Parallel zur Etablierung des gemeinsamen Unterrichts von Kindern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf haben alle Bundesländer ambulante bzw. mobile Interventionssysteme entwickelt, mit dem Ziel, Schülerinnen und Schülern, die oft nur temporär sonderpädagogische Unterstützung benötigen, integrativ im Klassenverband zu betreuen. Dazu zählen vor allem Beratungs-, Betreuungslehrer/innen bzw. Psychagog/innen zur individuellen und systemischen Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit Verhaltensauffälligkeiten, Sprachheil- und Heilstättenlehrer/innen sowie Expert/innen aus dem Bereich der Körper- und Sinnesbehindertenpädagogik. Vielfach gehören diese speziell ausgebildeten Lehrer/innen einem so genannten "überregionalen Sonderpädagogischen Zentrum" an, in welchem die Ressourcen und Expertisen für regionale Betreuungsanforderungen gebündelt werden.

Das Sonderpädagogische Zentrum - Drehscheibe für den integrativen Unterricht

Schon während der Schulversuche zur Integration hat sich gezeigt, dass diese innovative schulorganisatorische Maßnahme nur dann gelingen kann, wenn Schulen und Eltern ausreichend unterstützt werden. Um diesen Anspruch erfüllen zu können, wurde in der 15. SchOG - Novelle die Einrichtung von Sonderpädagogischen Zentren SchOG § 27a verankert. Schulrechtlich handelt es sich dabei um geeignete Sonderschulen, die vom Landesschulrat bzw. vom Stadtschulrat für Wien als Sonderpädagogische Zentren festgelegt werden. Sie sind dafür verantwortlich, durch Bereitstellung und Koordination der erforderlichen sonderpädagogischen Maßnahmen dazu beizutragen, dass Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf bestmögliche Weise in allgemeinen Schulen unterrichtet werden. Durch den Begriff "Bereitstellung und Koordination sonderpädagogischer Maßnahmen" werden in den gesetzlichen Bestimmungen die Aufgaben sehr weit gefasst, um die konkrete Arbeit gezielt auf die regionalen Bedürfnisse abstimmen zu können. In der Praxis haben sich vor allem die Vorbereitung der Integration in den Regelschulen, das Erstellen von sonderpädagogischen Gutachten, eine umfassende Beratungstätigkeit sowie die Zusammenarbeit mit anderen Schulen und außerschulischen Einrichtungen als Hauptaufgabenbereiche der Sonderpädagogischen Zentren entwickelt.

Integration auf der neunten Schulstufe

Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf können durchgehend acht Jahre lang in integrativen Settings in der Grundschule, der Hauptschule oder der AHS - Unterstufe unterrichtet werden. Für das letzte Jahr der Schulpflicht gibt es zurzeit (noch) keine gesetzliche Verankerung für den integrativen. Derzeit können Schulversuche nur nach § 7 SchOG für die Einrichtung von Integrationsklassen an der PTS (siehe Broschüre "Integration in der PTS") beantragt werden.

Filzstiftzeichnung - abstraktes Gesicht neben Zwiebeltürmen

Publikationen

Neue Mittelschule

Hörsendung

Neue integrative Konzepte für Menschen mit Behinderungen "Salzburger Nachtstudio, November 2008"

Videos

Gemeinsam Lernen
Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen in der Volksschule und der Sekundarstufe I
Video des bm:ukk

 

 

Modelle der integrativen Betreuung:

Integrative Klassen: Schüler/innen mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf werden die gesamte Unterrichtszeit von einem Lehrer/innenteam gemeinsam unterrichtet.

Stützlehrer/innenklassen: Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden - entsprechend ihrer Behinderung - zusätzlich einige Stunden pro Woche von Sonderpädagog/innen in der Regelschulklasse betreut.

Kooperative Klassen: Volks-, Haupt- bzw. PTS - Klassen und Sonderschulklassen sind grundsätzlich organisatorisch getrennt. Nach Übereinkunft und Planung der beteiligten Lehrer/innen wird der Unterricht teilweise oder zur Gänze gemeinsam erteilt.