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Community Integration Sonderpädagogik

Computer im Heilstätten- unterricht

Argumente für die Ausstattung der Unterrichtsräume mit Computer und Internetanschluss

2 Aspekte: 

Erstens ergibt sich für uns als Teil des Pflichtschulsystems der lehrplanmäßige Auftrag, mit unseren Kindern mit dem Medium Computer zu arbeiten, ihn im Unterricht einzusetzen, bestimmte Unterrichtsinhalte damit zu vermitteln. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Kinder und Jugendlichen, die bei uns an der Station aufgenommen sind, den lehrplanmäßigen Unterricht ihrer Herkunftsschule auch bei uns vermittelt bekommen. Dazu gehört eben auch der Informatikunterricht. Viele unserer Kinder sind ganz wesentlich benachteiligt (durch Krankheit, durch eine bestimmte "Auffälligkeit"). Es gilt für uns die Richtlinie, gegen diese Benachteiligungen anzukämpfen, dem Kind ein Optimum an Möglichkeiten anzubieten und neue Wege und Richtungen zum Wohle des Kindes vorzuschlagen. Als für viele Kinder und Jugendliche besonders interessantes und modernes Medium kann der Computer und das Internet für manche einen solchen neuen Weg bieten ...

Zweitens kann der Computer und in weiterer Folge das Medium Internet in unserem Fall wesentlich dazu beitragen, sich ganz bestimmte Bereiche und Projekte anzuschauen, um vielleicht neue Erkenntnisse zu gewinnen über den Einsatz des Computers.

Folgende Überlegungen dazu möchten wir uns dazu machen:

1. FÜR ALLE KLIENTEN GILT

Der Kontakt mit der Herkunftsschule wird einfacher und damit in seiner Bedeutung angehoben: der Austausch von Nachrichten, Tätigkeiten in der Klasse, die Vermittlung des Unterrichtsstoffs kann mittels elektronischer Post deutlich beschleunigt werden. Damit bleiben wichtige soziale Bindungen besser bestehen, das Kind kann sich auch während des Aufenthaltes an unserer Station leichter als Teil Bestandteil seiner Herkunftsklasse fühlen.

Generell wäre es auch unser Bestreben, ganz allgemein herauszufinden, bei welchem Krankheitsbild sich der Computer und das Internet positiv (oder auch negativ auswirkt): wo kann das Interesse gesteigert werden, wo die Eigenmotivation forciert werden, wo bietet dieses Medium geeignete Möglichkeiten, um den Unterricht anders zu gestalten. Da wir mit sehr vielen verschieden Schulen (alle Schultypen) Kontakt haben, wäre es insofern ganz günstig, unsere Erfahrungen diesbezüglich mitzuteilen und weiterzugeben.

Da unsere Patienten im Durchschnitt nur etwa sechs, sieben Wochen da sind, ist eine Planung des Unterrichtes nur bedingt möglich. Das Internet schafft schnelle Zugriffsmöglichkeiten sowohl für Kinder als auch für Lehrer auf Informationen, die flexibel und situationsgemäß gebraucht werden.

2. FÜR CHRONISCH KRANKE KINDER

Bei Kindern mit einer chronischen Erkrankung bietet der Computer mitunter die einzige Möglichkeit für Kinder, sich mitzuteilen, zu schreiben, mit anderen schriftlich in Kontakt zu treten (Rheumaerkrankungen im fortgeschrittenen Stadium, spastische Lähmungen).

Viele unserer Kinder sind mit ihrer Erkrankung alleine und würden ihre Erfahrungen gerne mit anderen teilen und austauschen. Erst das Internet bietet eine komplikationslose und schnelle Möglichkeit, mit anderen Betroffenen Kontakte zu schließen (eventuell in Form von ortsungebundenen Selbsthilfegruppen).

Eine chronische Grunderkrankung hat immer große Auswirkungen auf die Stimmungslage der Patienten: es gilt, Tätigkeiten und Möglichkeiten zu finden, sich aus einer schlechten Stimmung zu befreien, vielleicht mit dem Computer als eine Möglichkeit unter vielen neuen Mut zu finden, neben seiner Erkrankung auch andere Bereiche des Lebens zu entdecken und für sich zu nützen.

3. FÜR KINDER MIT VERHALTENSAUFFÄLLIGKEITEN

Schulverweigerung und Aggression ist eines der zentralen Erscheinungsbilder an unserer Station. Kinder und Jugendliche, die oft wochen- und monatelang keinen Unterricht besucht haben und sich gegen jede herkömmliche Art von Schule wehren, sind eine Herausforderung für uns Lehrer. Im Bestreben, auch diesen Kindern den Ort Schule wieder näher zu bringen, kann der Computer und das Internet entscheidende Hilfestellung bieten.

Wenn ein Kind jegliche Art von Unterricht ablehnt, sollte der Computer ein Mittel sein, über die eigene Motivation (Eigeninteresse, Eigennutzen) wieder dorthin zu finden. Viele unserer Patienten, gerade diejenigen mit den schwersten Problemen, beklagen sich, dass wir keinen Computer haben, es wäre das einzige, dass sie interessieren würde. Ziel ist, dieses Medium dann nicht kritiklos als Spielmöglichkeit zur Verfügung zu stellen, sondern es dort verwenden, wo es scheinbar hoffnungslosen Fällen Ansporn sein kann, sich wieder mit der Außenwelt auf sinnvolle Art zu nähern, wenn auch vorerst nur virtuell.

So kann das Internet helfen, sich auch wieder mit dem Lehrstoff mittels Internet und Edutainment zu beschäftigen. 

Bei Kindern mit Hyperkinetischen Syndrom (Aufmerksamkeitsstörungen, Konzentrationsschwächen und motorischer Unruhe) ist es unsere Aufgabe, festzustellen, wie schwerwiegend diese Störungen sind bzw. wie man Rahmenbedingungen schafft, die diese vermindern.

Unsere Hypothese: der Computer kann dies wesentlich beeinflussen.

4. BEI VERDACHT AUF MISSBRAUCH BEI KINDERN

Es ist eine äußerst sensible Angelegenheit, Missbrauch bei Kindern (jedweder Art: psychisch, körperlich, sexuell) festzustellen und zu überprüfen. Die Schwierigkeit liegt in der Kontaktaufnahme zu diesem

Thema beim Kind selber. Computer und Internet als Kommunikationsform, die auch viel an Anonymität bietet, können unter Umständen Plattformen sein, wo Hinweise darauf zu erkennen sind und wo Kinder und Jugendliche leichter bereit sind, darüber zu erzählen.

Die Frage ist, ob Internet oder der Computer ein erster Schritt für diese Kinder sein kann, um aus ihrer Verschwiegenheit auszubrechen ...

5. WIEDER FÜR ALLE GILT:

Es gibt eine Vielzahl von Lehr- und Lernprojekten, die mit Hilfe des Computers und des Internets auch für unsere Kinder machbar werden:

Erklären der speziellen Unterrichtssituation dieser Kinder im Krankenhaus durch Erfahrungsberichte, Tagebücher, interaktiven Spielprojekten (Bsp.: Chatroom für Schüler, wo sich Kinder im Krankenhaus mit Kindern draußen unterhalten), Videokonferenzen ...

Diesbezüglich kann der Computer auch noch als Anregung dienen, um im Umgang damit die vielfachen Erfahrungen an möglichst viele weiterzugeben!    

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