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AVWS - Hilfe für Schulen

Empfehlungen

Pädagogische Schwerpunkte für Kinder mit AVWS

  • Morgenkreis
  • klare Tagesgliederung: Unterrichtsverlauf beispielsweise durch Piktogramme veranschaulichen.
  • deutlich abgegrenzte Arbeitsphasen mit klarer Ansage des Wechsels von Ort und Thema
  • feste Klassenregeln bzw. Hausordnung
  • Hör- und Gesprächserziehung:
    still sein und zuhören
    nur einer spricht
    die Sprecherin/der Sprecher steht auf
    die Sprecherin/den Sprecher anschauen um aktives Zuhören zu erzielen
  • Tagebuchblätter
  • Einsatz rhythmisch-motorischer Elemente, wie z.B. Silbenklatschen, Luftschreiben, etc…
  • Einsatz taktil-kinästhetischer Elemente: Schreiben auf dem Rücken, Buchstaben fühlen, etc...
  • spezielle Lese- und Rechtschreibförderung
  • spezielle Förderung im Bereich Mathematik
  • sich der Aufmerksamkeit der Schülerin/des Schülers mit AVWS vergewissern
  • regelmäßiges Wiederholen auditiver Angebote

Empfehlungen für die Unterrichtsgestaltung und das Lehrerverhalten

  • verstärkte Visualisierung des Unterrichtsstoffes durch Anschreiben wesentlicher Inhalte und Kernaussagen mittels Wortkarten, Merkplakaten, Einsatz visueller Medien, uä.
  • einplanen von Konzentrations- und Ruhepausen
  • Stille-Phasen bei Arbeitsaufträgen beispielsweise durch eine Sanduhr bewusst signalisieren
  • auditiv anspruchsvolle Tätigkeiten eher in die ersten beiden Schulstunden verlegen
  • Informationsdarbietung in kleineren Einheiten unter dem Motto: "weniger ist mehr"
  • In offenen Unterrichtsphasen auf konzentrierte Ruhe achten, indem die Möglichkeit zum Tragen eines Schallschutzhörers/ Gehörschutzes der Schülerin/dem Schüler mit AVWS angeboten wird.
  • Kompensationsmöglichkeiten suchen und fördern
  • Unterstützungsmaßnahmen beim Auswendiglernen wie durch Bewegungselemente oder Memotechnik, Anbieten von Gedächtnisstrategien wie z.B. der Singmethode, dem "Geschichtentrick", dem "Kopfkino", uvm. einfließen lassen.
  • mehr Zeit zum Nachdenken gewähren
  • Einsatz von Handzeichen zur Unterstützung der Phonemwahrnehmung beispielsweise durch das Phonembestimmte Manualsystem ( PMS) oder dem Fingeralphabet (ÖGS).
  • Inhalte sprachlich vereinfacht darbieten z.B.in Bezug auf Lesetexte oder Sachaufgaben in Mathematik.
  • Differenzierungsmaßnahmen umsetzen indem Förderlehrerinnen/ Förderlehrer ins Unterrichtsgeschehen einbezogen werden.
  • Blickkontakt zur Schülerin/zum Schüler halten, denn diese/dieser orientier sich oft am Mundbild der Sprecherin/des Sprechers.
  • deutliche, klare, reflektierte Unterrichtssprache
  • knappe und klare Formulierung von Arbeitsaufträgen
  • Arbeitsaufträge nacheinander geben
  • Arbeitsaufgaben einfach gestalten, indem diese schriftlich oder bildlich angeboten werden.
  • sprachverfälschende Elemente wie Ironie oder Spott vermeiden
  • Nebengeräusche reduzieren
  • Der gezielte Einsatz von Mimik, Gestik und Sprachmelodie unterstützt den verbalisierten Inhalt.
  • Ein fester Standort beim Sprechen ist wichtig, denn wenn unter anderem beim Tafelschreiben den Kindern der Rücken zugewandt und gleichzeitig mit diesen kommuniziert wird, können sie sich nicht am Mundbild, an Mimik oder Gestik der Sprecherin/ des Sprechers orientieren.
  • häufig Sprechpausen einlegen
  • Die Schülerinnen/den Schüler zum Nachfragen ermutigen, wenn sie/er etwas nicht richtig verstanden hat.
  • Eine direkte Form der Rückmeldung an das Schulkind oder dem Jugendlichen über den verbalen, taktilen oder visuellen Weg wählen.
  • Anleitung zum selbstständigen Lernen und zur Selbstkontrolle geben
  • Hausaufgaben klar formulieren und kontrollieren, ob das AVWS-Kind alles verstanden hat.

Übungsvorschläge zur Förderung der auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung im Klassenverband

Mädchen und Buben mit der Diagnose AVWS benötigen eine spezielle und individuelle Einzelförderung.

Allgemeine Übungen zur Verbesserung der auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung, welche von der Klassenlehrkraft im Klassenverband, wie z. B.: im Bereich der Phonologischen Bewusstheit, durchführt werden, müssen für Schulkinder mit AVWS verstärkt unterstützt werden. In einem Link findet sich eine Auswahl von Übungen und Spielen für Gruppen und Klassen.

Link: Exemplarische Materialliste

Zusätzliche pädagogische Interventionen und Strategien für Mittelschule und weiterführende Schulen

  • Förderung von Strukturierung und Eigenverantwortung indem die Jugendlichen zum Planen von Terminen, Führen von Kalendern und unter anderem zum Einteilen von Lerneinheiten angeleitet werden (Coaching).
  • Wiederholungen und Zusammenfassungen erarbeiten
  • schriftliche Fixierung der Inhalte
  • Merktexte markieren
  • Schülerinnen und Schüler müssen dazu angehalten werden nachzufragen, wenn sie etwas nicht richtig verstanden haben.
  • Listening in Englisch oder Nacherzählungen von verbal angebotenen Geschichten sind schwierig. Die Nähe zum Lautsprecher oder zur Erzählerin/zum Erzähler ist daher wichtig. Zusätzlich sollen der Schülerin/dem Schüler Texte zur Vor- oder Nachbereitung überlassen werden.
  • Vorschläge zur Unterstützung beim Erlernen der Fremdsprache:
    Wiederholungen und regelmäßiges Abhören von CD´s mit den Texten der Lektionen im Fremdsprachunterricht
    Hören von fremdsprachlichen Radiosendungen
    Anschauen von Filmen in der zu erlernenden Sprache mit visueller Unterstützung durch Untertitel
    Mitlesen von fremdsprachlichen Texten der Lieblingsmusik
  • Anlegen eines Lexikons von Fachbegriffen:
    "In spezifischen Unterrichtsgegenständen, wie z.B. Physik und Chemie kann es nützlich sein, neue Fachtermini bereits zuvor zu besprechen." (Lindauer, M., et al, 2009, S.103 f.; Hammann, C., 2012, S.46 f.)

Apparative Hilfen

AVWS aber auch andere Teilleistungsstörungen wirken sich meist ungünstig auf Lernleistungen aus, weil die Schulkinder oft überfordert und umso mehr darauf angewiesen sind, die Stimme der Lehrererin/des Lehrers deutlich zu hören. Die Stimme einer Lehrkraft erreicht etwa 65 Dezibel, die Hintergrund- und Nebengeräusche in einer Klasse erreichen oder überschreiten diese Lautstärke oft. (Böhme, G., 2006, S.108)

"Bei einem normalen Gesprächsabstand von 1,5 Metern ist der Signal- Rauschabstand (das Pegelmaß um das die Sprache die Nebengeräusche übersteigt) etwa 5 Dezibel. Allerdings reduziert sich jedoch mit jeder Distanzverdoppelung der Sprachpegel um 6 Dezibel. Bei einem Abstand von 3 Metern mit Hintergrundgeräusch wird die Sprache vom Hörer nicht mehr verstanden." (Böhme, G., 2006, S.108)

Der Einsatz von apparativen Hilfen, das sind Verstärkeranlagen, wie FM-Anlagen oder Sound- Field- Systeme, kann hier Erleichterung bringen.

FM-Anlagen/Verstärkeranlagen

Vielen AVWS Kindern, die massive Auffälligkeiten beim Hören im Störlärm zeigen, weil ihnen eine Störschal-Nutzschall-Filterung kaum möglich ist, kann das Tragen einer Mikroport-Anlage (FM-System) hilfreich sein. Dabei trägt die Lehrerin/der Lehrer ein kleines Knopfmikrophon (Head-Set oder Krawattenmikrofon). Über Funk wird die Sprache zum Kind übertragen, welches hinter beiden Ohren einen kleinen Empfänger trägt. So wird die Stimme der Sprecherin/des Sprechers lauter und die Nebengeräusche schwächer wahrgenommen. (Rosenkötter, H., 2003, S.115)

Speziell empfohlen wird ein miniaturisiertes Funksystem – das EduLink- welches vor allem für den Einsatz bei AVWS, aber auch bei ADS und ADHS entwickelt wurde. Durch die drahtlose FM-Übertragung werden nicht nur die Nachteile der Störgeräusche sondern auch jene von Entfernung und Nachhall begrenzt. (Böhme, G., 2006, S.110)

Sound-Field-Anlagen

Seit einigen Jahren gibt es auch die Möglichkeit über sogenannte Sound-Field- Anlagen, alle Schulkinder einer Klasse optimal zu beschallen, sodass nicht nur das AVWS Kind selbst davon profitiert, sondern auch alle anderen Schülerinnen/Schüler und ebenso die Lehrperson, die dadurch ihre Stimme merklich schonen kann. Auch in dieser Situation trägt die Lehrerin/der Lehrer ein Funkmikrophon. Die Stimme wird drahtlos auf einen oder zwei, meist im hinteren Teil des Klassenraumes stehenden Lautsprecher verteilt.

Jene enthalten wiederum viele kleine Lautsprecher, die in verschiedene Richtungen und Entfernungen senden, sodass jedes Kind der Lehrerin/des Lehrers Stimme optimal hören und verstehen kann. (Rosenkötter, H., 2003, S.116)

Abb.: Sound-Field (http://www.phoonak.com, Zugriff 27.08.2014)

Empfehlungen zur Klassenraumgestaltung und Maßnahmen zur Verbesserung der Raumakustik im Klassenzimmer

Schon kleinste Störgeräuschquellen, wie z.B.: Schritte, laut tickende Uhren, Ventilgeräusche der Heizung, uvm ..., können das Verstehen von Gesprochenem aber auch die Konzentration der Mädchen und Buben beeinträchtigen. AVWS Schülerinnen/AVWS Schüler reagieren verstärkt auf solche – für uns oft gar nicht wahrgenommenen – Geräuschquellen.

"Ungünstige akustische Einflüsse können sich auf das Lernen im Allgemeinen und im Speziellen bei Schulkindern auswirken. Dies gilt besonders für Klassenräume mit einer unzureichenden Raumakustik." (Böhme, G., 2006, S.101)

Einerseits geht es um die akustische Atmosphäre in den Klassenräumen selbst, welche durch Schwatzen, Stifte klappern, Hüsteln, plumpsende Schultaschen, Scharren, aneinander stoßende Möbel und vielem mehr beeinflusst wird und andererseits auch um einwirkende Störgeräusche aus externen benachbarten Räumen, Gängen oder der Straße. Eine Verbesserung der akustischen Bedingungen stellt nicht nur einen wichtigen Beitrag in der Unterstützung von AVWS Kindern sondern beeinflusst auch alle anderen Mitschülerinnen/Mitschüler positiv. Es gibt inzwischen eine Reihe von Untersuchungen, die belegen, dass in vielen Schulen und Klassenräumen eine ungenügende Raumakustik vorherrscht. (Böhme, G., 2006, S.101, f.)

Waltraud Boltz, eine Lehrerin an der Grundschule in Haar im Landkreis München berichtet ausführliche in dem Artikel "Deine Kinder sind aber nett geworden!" darüber, welche Veränderungen sich aufgrund der optimalen akustischen Raumsanierung des Klassenzimmers eingestellt hatten:

  • Streitigkeiten durch Missverständnisse nahmen ab
  • der Umgangston untereinander wurde freundlicher und leiser
  • nach den Pausen gab es kaum mehr Konflikte zu regeln
  • das Sprachverständnis hatte sich gebessert und dadurch wurde auch die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder länger
  • Die Lehrperson fühlte sich leistungsfähiger.

Eine positive Spirale war in Gang gesetzt. Selbst Fachlehrerinnen/Fachlehrer gaben die Rückmeldung, dass die Schulkinder ruhiger, konzentrierter und "netter" geworden waren. (Boltz, W., 2009, S.54,55)

Um eine Erleichterung oder gar Optimierung für das AVWS Kind im Besonderen, aber auch für alle anderen Schülerinnen/Schüler und Lehrkräfte zu erreichen, soll versucht werden Lärm und Hall zu reduzieren. (Hammann, C., 2012, S.41)

  • Vorteilhaft sind kleine, geschlossene Räume, die sich abseits von Verkehrslärm oder anderen Störgeräusche befinden.
  • Geschlossene Klassentüren und der Fenster während des Unterrichts verhindern die Lärmbelästigung von außerhalb.
  • anleiten der Kinder, mit dem Mobiliar ruhiger umzugehen
  • Schaffung von Ruheinseln im Klassenraum unter anderem durch einen abgeschirmten Arbeitsplatz
  • Ein fester Arbeitsplatz mit klaren äußeren Rahmen ist wichtig. Er kann durch eine Tischbegrenzung oder durch festgelegte Orte für Arbeitsmaterial am Tisch gekennzeichnet sein.
  • Vermeidung von Reizüberflutung
  • Teppichböden, Vorhänge, Bücherregale, Sitzecke mit Polstern, Deckenverkleidungen, Pinnwände aus Filz oder Kork, das Behängen von Decken mit Tüchern... vermindern den Nachhall.
  • Filzgleiter an Sesseln und Tischfüßen anbringen
  • Schreibunterlagen verwenden
  • Hausschuhe, welche wenig Lärm verursachen, tragen.
  • Lärmampel zur visuellen Demonstration und Bewusstheitsbildung des Geräuschpegels für alle Schülerinnen/Schüler verwenden.
  • Lärmschutzkopfhörer anbieten

Empfehlungen zur optimalen Sitzposition der AVWS Schülerin/des AVWS Schülers im Klassenzimmer

Von entscheidender Wichtigkeit ist, dass das betroffene Schulkind einen optimalen Sitzplatz bekommt, sodass er innerhalb des Klassenraumes dem Unterricht und den Ausführungen der Lehrperson gut folgen kann. Idealerweise sollte man mit dem Kind gemeinsam die beste Platzierung austesten und suchen. (Hammann, C., 2012, S.44)

Wurde ein optimaler Sitzplatz für die Schülerin/den Schüler gefunden, sollte dieser beibehalten werden!

  • Die Entfernung zwischen Sprecherin/Sprecher und der Hörerin/dem Hörer sollte maximal zwei Meter betragen.
  • Die Hörerin/Der Hörer sollte in einem Winkel von max. 45° zur Sprecherin /zum Sprecher und zur Tafel sitzen.
  • Auf gute Lichtverhältnisse achten. Das Mädchen/der Bub sollte nicht gegen das Licht schauen und geblendet werden.
  • Ein Sitzplatz in der Türreihe ist nicht empfehlenswert.
  • Eine ruhige Sitznachbarin/einen ruhigen Sitznachbarn, mit der/dem möglicherweise vereinbart wird, dass die Mitschülerin/der Mitschüler mit AVWS nachfragen darf, wenn sie/er im Unterrichtsgeschehen etwas nicht verstanden hat.
  • Eventuelle Bereitstellung eines Einzeltisches, um Ablenkungsmöglichkeiten zu reduzieren.
  • Die Nähe von geräuschintensiven Geräten, wie beispielsweise Beamer, Heizung, etc.. meiden.
  • Hat ein Kind ein deutlich dominantes Ohr, sollte es so sitzen, dass es dieses dem Nutzschall (der Sprecherin/dem Sprecher) zuwendet.

Leistungsbeurteilung

Ein wichtiger Punkt ist die Leistungsbeurteilung von Kindern und Jugendlichen mit Auffälligkeiten in der auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung. An dieser Stelle sei auf folgende rechtliche Quellen hingewiesen: SCHOG §16, Abs. 5 den Lehrplan betreffend und SCHUG §18, Abs. 1, 6, 8 bezieht sich auf die Leistungsbeurteilung.

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