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Inklusion / Inklusive Modellregionen

 

Auf gesellschaftspolitischer Ebene zeigt sich die Aktualität des Themas "Inklusion" in den laufenden Diskussionen um die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Diese Konvention wurde von Österreich im Jahre 2008 ratifiziert und definiert Ziele und Maßnahmen, die die Umsetzung einer umfassenden Partizipation aller Menschen am gesellschaftlichen und beruflichen Leben sicherstellen sollen.

Der im Jahre 2012 beschlossene Nationale Aktionsplan Behinderung 2012-2020 formuliert Zielsetzungen der Bundesregierung, die auch im Bereich der Bildung die Entwicklung eines inklusiven Schulsystems vorsehen und als ersten Schritt die Implementierung und Evaluation modellhafter Initiativen (wie z.B. Inklusive Modellregionen) fordern. Der Nationale Aktionsplan Behinderung 2012-2020 sieht vor, dass die Inklusiven Modellregionen bis 2020 eingerichtet sind, was einen strukturellen Wandel im Bildungssystem bedingt.

Das aktuelle Regierungsprogramm definiert die "Konzeption von Modellregionen zur optimalen und bedarfsgerechten Förderung aller Schülerinnen und Schüler dieser Region mit wissenschaftlicher Begleitung" als eine der Maßnahmen zur Weiterentwicklung der inklusiven Bildung.

Inklusion ist nicht nur eine Bildungsfrage, sondern ein gesamtgesellschaftliches Anliegen und verlangt Handeln auf allen Ebenen.

Das BMBF hat daher die partizipative Strategie zur Umsetzung der UN-BRK im österreichischen Schulwesen lanciert. Zu den zahlreichen Veranstaltungen (sog. Runden Tischen) wurden selbstverständlich auch Vertreter/innen des Österreichischen Städtebundes eingeladen. Die letzte Dialogrunde hat im Rahmen einer Enquete zum Thema "Ein System im Wandel – Entwicklung Inklusiver Modellregionen" am 22. April 2015 im BMBF mit ca. 130 Personen stattgefunden. Die Dokumentation dieser Veranstaltung ist unter folgendem Link abrufbar:

Link öffnet in einem neuen Fensterhttps://www.bmbf.gv.at/schulen/sb/enquete_inklusive_modellregion.html

Das BMBF hat Anfang September 2015 eine Richtlinie erlassen, welche die pädagogischen, rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen für die Entwicklung inklusiver Modellregionen festlegt und damit Orientierung für die Länder schafft. Inklusive Modellregionen werden eingerichtet, um Erfahrungen mit einer vollständigen Umsetzung inklusiver Bildung zu sammeln. Dies steht im Einklang mit der in einem partizipativen Prozess erarbeiteten Zielformulierung der Maßnahmen 124-125 des NAP Behinderung 2012-2020: "Eine Inklusive Region ist eine Region, die das Ziel verfolgt, in ihrem Einflussbereich den Artikel 24. 'Bildung' der UN-Behindertenrechtskonvention vollständig umzusetzen."

In der ersten Umsetzungsphase ab dem Schuljahr 2015/16 starten die Bundesländer Kärnten, Steiermark und Tirol mit dem Aufbau Inklusiver Modellregionen nach der o.g. Richtlinie des BMBF.

Die gegenwärtige Strategie des BMBF zur Weiterentwicklung der inklusiven Bildung (auch im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention und des Nationalen Aktionsplans Behinderung 2012-2020) ist vor allem darauf ausgerichtet, dass bei allen Maßnahmen die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt stehen und dass die Qualität der schulischen bzw. pädagogischen  Förderung bzw. Betreuung kontinuierlich verbessert wird.

Die Entwicklungen im Bereich der inklusiven Bildung werden als konstruktiver Prozess des Zusammenwirkens von Bund, Ländern und Gemeinden verstanden, der von den gegenwärtigen Rahmenbedingungen ausgeht und schrittweise eine Öffnung zum Lernen in gemeinsamen schulischen Einrichtungen vorsieht.

Dies bedeutet insbesondere die Weiterentwicklung des freien Zugangs (im Sinne umfassender Barrierefreiheit) zu allen Schularten und ein flächendeckendes Angebot an entwicklungs- und kompetenzorientiertem, individualisierendem Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler. Entscheidend ist, dass die gesetzten Schritte konkret, glaubhaft und nachvollziehbar sind und die Lage von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen sukzessive verbessert wird.

Die pädagogische Qualität hat unbedingt Vorrang, die sonderpädagogische Kompetenz muss nicht nur erhalten, sondern ausgebaut werden. Das letztere wird auch in der PädagogInnenbildung NEU mit dem verpflichtenden Schwerpunkt zur Inklusiven Pädagogik und den Spezialisierungen im Masterstudium angestrebt.


Filzstiftzeichnung - abstraktes Gesicht neben Zwiebeltürmen